kurz & knapp

Auf dieser Seite finden sich kurze, deutsche Zusammenfassungen einiger der wissenschaftlichen Publikationen, welche unter Publications aufgeführt sind.

Übersicht

  1. Ekel
  2. Lebensmittelabfälle

1. Ekel

Dissertation
Die Ekelemotion dient dazu, Körper und Geist zu schützen. Im Rahmen meiner Dissertation habe ich mich auf lebensmittelbezogenen Ekel konzentriert und insgesamt drei Ziele verfolgt. Als erstes wurden zuverlässige Messinstrumente für Lebensmittelekelsensibilität gefunden, entwickelt und getestet. Anschliessend wurden individuelle Faktoren identifiziert, welche die Lebensmittelekelsensibilität beeinflussen. Als drittes Ziel wurden die Auswirkungen der Ekelsensibilität auf das menschliche Verhalten, wie zum Beispiel Lebensmittelauswahl oder Hygieneverhalten, untersucht und diskutiert. Um diese Ziele zu erreichen, habe ich mit Verhaltensmessungen, sensorischen Verkostungen und Onlinebefragungen gearbeitet. Mittels dieser Methoden wurde die Validität eines bestehenden Messinstruments bestätigt und ein neues, auf Bilder basierendes, Messinstrument entwickelt und getestet. Mit diesem neuen Messinstrument wurde die Kulturen übergreifende Validität des Lebensmittelekelkonstrukts in China und der Schweiz demonstriert. Im Laufe der Arbeit haben sich Frauen als konstant ekelsensibler als Männer erwiesen. Zudem konnte ich in meiner Dissertation zeigen, dass Lebensmittelekel zentrale Auswirkungen auf Verhaltensmuster im Lebensmittelbereich hat. Dazu gehören Verhaltensmuster wie Lebensmittelverschwendung, Hygieneverhalten und Ernährungsverhalten.

Meine Dissertation liefert neue Beweise und Interpretationsansätze für den Einfluss von Lebensmittelekel auf Ernährungsentscheidungen. Konkret werden Resultate einer sensorischen Verköstigung berichtet, bei der ein Zusammenhang zwischen der bitteren Geschmackswahrnehmung und der Ekelsensibilität in Männern, nicht aber in Frauen, gefunden wurde. Mögliche Erklärungen, wieso dieses Resultat in Kontrast zu früheren Studien steht, werden diskutiert. Ausserdem habe ich untersucht, ob Ekel auch in einer virtuellen Umgebung erzeugt werden kann. Es wurde festgestellt, dass ekelsensible Individuen mehr Mühe damit zu haben scheinen, sich vom virtuellen Abbild eines Ekelerregers zu distanzieren als Leute, die weniger ekelsensibel sind. Ausserdem werden Resultate aus einer Onlineumfrage berichtet, die gezeigt haben, dass ekelsensible Individuen restriktivere Methoden verwenden, um zu beurteilen, ob ein Lebensmittel noch geniessbar ist. Zudem zeigen diese Leute zu Hause öfters Verhaltensweisen, welche die Lebensmittelhygiene fördern. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass im Rahmen meiner Dissertation ein bestehendes Instrument zur Messung von Lebensmittelekel validiert und ein neues, auf Bilder basierendes Instrument entwickelt und getestet wurde. Dieses kann sich als vielversprechendes Instrument in der Arbeit mit Kindern oder spezifischen Anwendungen erweisen, für welche Bilder gegenüber Text zu bevorzugen sind. Weiterhin wurde im Rahmen der Dissertation auch der Einfluss von Geschlecht und Kultur auf die Ekelsensibilität untersucht. Zudem wurde untersucht, wie Ekel die Lebensmittelauswahl und das Hygieneverhalten beeinflusst. Übergreifend hat diese Arbeit damit zum Verständnis der Ekelemotion und deren Auswirkungen beigetragen. Dieses Verständnis ist sowohl für Forschende als auch für die Lebensmittelindustrie zentral. Es kann dazu verwendet werden, Essstörungen zu behandeln, Interventionen zur Akzeptanzförderung neuer Lebensmittel wie Insekten oder künstlichem Fleisch zu entwickeln, Aktionspläne für mehr Lebensmittelhygiene zu definieren oder um Massnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen umzusetzen.

2. Lebensmittelabfälle

Comparison of two measures for assessing the volume of food waste in Swiss households
Grosse Mengen an Lebensmittelabfällen fallen jedes Jahr auf der Stufe der Haushalte an. Das ist nicht nur für das Portemonnaie, sondern auch für die Umwelt schlecht, denn mit den Lebensmitteln werden auch wertvolle Ressourcen verschwendet.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie haben wir zwei verschiedene Methoden zur Erfassung der Food Waste Mengen in Haushalten getestet und verglichen. Insgesamt 223 Personen haben einen Onlinefragebogen zu ihrem Foodwasteverhalten ausgefüllt. Dort haben sie für verschiedene Lebensmittel jeweils angegeben, wieviel davon sie ungefähr pro Woche wegwerfen. In einem zweiten Schritt wurden die gleichen Presonen eingeladen, ein Food Waste Tagebuch zu führen, in dem sie während 21 Tagen alle Lebensmittel notiert haben, welche sie weggeworfen haben. Dabei wurden jeweils auch die jeweiligen Mengen (in g), der Grund für und die Art der Entsorgung notiert.

Die Analyse der erhobenen Daten hat gezeigt, dass die beiden Methoden stark zusammenhängen. Wer im Fragebogen grössere Mengen an Food Waste berichtet hat, hat das auch im Tagebuch gemacht. Die persönlichen Schätzungen hängen also stark damit zusammen, was anschliessend effektiv gemessen bzw. gewogen wurde. Interessant ist jedoch, dass die Werte im Tagebuch generell höher sind als im Fragebogen. Es scheint also, als würden die weggeworfenen Mengen tendenziell unterschätzt, wenn sie aus dem Gedächtnis berichtet werden sollen statt gemessen werden.

Mittels Korrelationsanalysen konnten wir zudem zeigen, dass beide Methoden sehr Korrelationsmuster aufweisen. Beispielsweise hängen die berichteten Food Waste Mengen stark mit Ekelsensibilität zusammen. Je ekelsensibler jemand ist, umso mehr Food Waste wird diese Person wahrscheinlich produzieren. Die Intention, Food Waste zu verhindern, hilft hingegen, kleinere Mengen an Food Waste zu produzieren.

Zusammengefasst können wir also festhalten, dass die beiden Methoden vergleichbar sind. Da die Tagebuchmethode für die Teilnehmenden und auch für die Auswertung deutlich aufwändiger ist, kann man im Falle von limitierten Ressourcen stattdessen auf die Fragebogenmethode zurückgreifen. Psychologische Zusammenhänge können damit problemlos untersucht werden. Möchte man jedoch die absoluten Werte an produziertem Food Waste untersuchen, gilt es zu beachten, dass der Fragebogen die echten Werte unterschätzt.